Nur die eine

geschrieben von ajtak | 27 Feb, 2009, 18:08

Ich bin froh, nicht mehr zu rauchen; nicht mehr rauchen zu müssen. In den letzten Wochen merke ich immer häufiger wo im Detail meine neugewonnene Freiheit steckt. Aus einer Kneipe, einem Restaurant heraus auf die Strasse gehen zu können, ohne als erstes - am besten schon drinnen während des Jacke anziehens - hektisch in der Jackentasche nach Zigarette und Feuerzeug kramen zu müssen und je nach vorheriger Verweildauer und wie schlimm die Schmacht war, am besten direkt zwei Kippen hintereinander rauchen zu müssen. Mich morgens beim Wachwerden nochmal gemütlich umdrehen zu können, ohne das Gefühl direkt aus dem Bett springen, Kaffee kochen und auf die Terasse stürzen zu müssen. Den Spaziergang am Rhein genießen zu können, ohne nach einer Zigarettenpause zu lechzen und / oder während des Gehens unbedingt rauchen zu müssen. Herrlich!

Erst jetzt wird mir bewusst, dass Rauchen nicht nur ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens war, sondern an ganz vielen Stellen sogar dominant über allem anderen stand. Ich frage mich häufiger mal, ob das wirklich so unterbewusst abgelaufen ist, oder ob ich es nicht sogar aktiv verdrängt habe, aber egal was davon wahr ist, ist es ganz schön erschreckend, wie tief ich in der Sucht drin gesteckt habe.

Und dooferweise reicht das Erkennen alleine nicht aus. Wie süchtig ich bin, wird mir heute und auch schon in den letzten Tagen wieder mal ganz deutlich. Immer wieder kreisen meine Gedanken um nur eine Zigarette und ich könnte heulen bei dem Gedanken, die nie wieder rauchen zu dürfen. So verlockend erscheint sie mir heute. Obwohl ich die meiste Zeit weiss, dass sie nicht schmecken würde, dass mir schwindlig würde, dass ich husten müsste. In Momenten, wo mich die Gier ganz schlimm überkommt, erscheint der Gestank süßer Duft zu sein. Es kostet mich gerade unbändige Kraft, der Verlockung zu widerstehen (Wo zur Hölle kommt die überhaupt nach über 2 Monaten wieder her?) und das einzige, was mich davon abhält, nur diese eine zu rauchen ist ein Satz, den ich in den letzten Wochen auf irgendeiner der zahlreichen Nichtraucherseiten im Web gelesen habe. Wenn ich "ja" zu der einen sage, muss ich auch bereit sein, "ja" zu einem ganzen LKW voller Zigaretten zu sagen. Die eine einzige ist eine Illusion.

Die Sucht ist immer noch da und wird mich vermutlich mein Leben lang begleiten. Aber ich bin ihr immerhin nicht mehr blind ausgeliefert, sondern kann ihr meinen Verstand entgegensetzen. Also gehe ich nochmal zurück an den Punkt, wo ich mich von einem rauchfreien Tag zum anderen durchhangele. Es reicht ja vollkommen, heute nicht zu rauchen...

Katja

What's up?: nervös, schmachtend

Who's the boss?

geschrieben von ajtak | 10 Feb, 2009, 16:52

Dass ich jedem, der auf die Idee käme, mir vorschreiben zu wollen, wie und was ich zu denken habe, freundlich 'nen Vogel zeigen würde, ist unbestritten. Was ich denke, wie ich über ein bestimmtes Thema denke, welche Meinung ich zu etwas habe, ist einzig und alleine meine Angelegenheit - schließlich spielt sich das in meinem Kopf ab und unterliegt meinem Willen.

Seltsam, wenn mir dann wieder mal aufgeht, wie wenig das für mich selber zu gelten scheint. Wie oft fühle ich mich meinen Gedanken ausgeliefert und habe den Eindruck, keinen Einfluss darauf nehmen zu können. Wie geduldig hab ich in den letzten Wochen hingenommen, dass sie nun mal gerade so negativ sind. 

Natürlich weiss ich, was konsequentes Umdenken bewirken kann. Klar weiss ich genau, was ich tun müsste, um endlich wieder mal aus dem Loch rauszukommen. Tolle Theorie und doch stehe ich mir seit Wochen selber im Weg, wenn's an die Praxis rangeht.

Dabei ist der Schlüssel wieder mal einfach und offensichtlich und so langsam wird's mir peinlich vor mir selber, dass ich das immer wieder so ausblenden und so blind durch mein Leben stolpern kann, obwohl mir die Lösung in anderen Bereichen beinahe in die Nase beisst: 

1. Ich entwickele immense Kraft, wenn ich etwas dolle genug will.
2. Es ist meine Entscheidung.

Da scheint es auch keinen Weg dran vorbei zu geben.

Erstaunlich wieviel sich auf diese einfachen Sätze runterbrechen lässt und wo die überall Geltung haben. Vielleicht sollte ich als erstes mal die Entscheidung treffen, dass ich mich von meiner Blindheit verabschiede und da mit Nachdruck dran arbeiten.

Katja

What's up?: besser als gestern

Nachtrag - A propos Kaugummi

geschrieben von ajtak | 6 Feb, 2009, 15:08

Es gab vor geschätzten 5 Jahren von irgendeiner Firma - ich glaube es war Wrigley's - einen Kaugummi mit Grapefruitgeschmack. Der war nicht nur lecker, da hängt für mich auch 'ne ganz spezielle Erinnerung dran. Da ich normalerweise eigentlich nie viel Kaugummi gekaut habe, hatte ich den völlig verdrängt. Ich habe in den letzten Wochen schon überall geguckt, bin aber nirgendwo mehr fündig geworden. Gibt's vielleicht irgendwen da draussen, der weiss, von welcher Firma der Grapefruitkaugummi war und ob es den heute noch gibt? Und falls es ihn noch gibt natürlich idealerweise auch, wo man den kaufen kann?

Meine Dankbarkeit wäre demjenigen gewiss. ;)

Katja

No Smoking

geschrieben von ajtak | 5 Feb, 2009, 16:27

Dass eine fiese Erkältung mich irgendwann mal zur Zumindest-Gerade-Nicht-Raucherin machen würde, hätte ich mir vor zwei Monaten nicht träumen lassen. Viel zu tief wähnte ich mich in den letzten 22 Jahren in der Sucht und alleine beim Gedanken dran, an's Aufhören zu denken, habe ich weiche Knie und Schwindelanfälle bekommen und musste immer erst mal eine rauchen gehen. Nach 5 erkältungsbedingt rauchfreien Tagen (mehr als in den ganzen Jahren am Stück) war es vermutlich mehr die Herausforderung an meinen inneren Schweinehund (Mal gucken, wie lange ich das durchhalte.) als wirklich der Wunsch aufzuhören und so hab ich mich halbmotiviert von einem rauchfreien Tag zum nächsten geschleppt und in den ersten 2, 3 Wochen nicht wirklich ernsthaft dran gedacht und drüber nachgedacht, dass ich ja wirklich endgültig aufhören könnte. Warum auch? Ich hab ja immer gerne geraucht. Oder mir das zumindest eingeredet. War ja auch einfacher, als mich tatsächlich mal damit auseinander zu setzen, warum ich rauche und vor allem, warum ich's nicht lasse.

Den Grund dafür, es zu lassen, habe ich erst entdeckt, nachdem ich es schon gelassen hatte. Und wie so oft in den letzten Monaten, ist es auch hier die Erkenntnis gewesen, dass die Entscheidung zu Rauchen oder nicht, meiner Selbstbestimmung unterliegt. Dass ich jahrelang dachte, ich müsse rauchen, gehört in die Kategorie "Ich habe keine andere Wahl" in der ich so viele Bereiche meines Lebens eingeordnet hatte und von der ich mich wirklich langsam mal verabschieden sollte.

47 rauchfreie Tage sind mittlerweile daraus geworden. In meinem Wohnzimmer steht ein "aber wenn du wieder rauchst, musst du den zurückschicken!"-Boxsack, den ich als Motiviation und zum Abbau der Aggressionen beim Wegfall meines liebsten Beruhigungsmittels geschickt bekommen habe. In Aussicht steht ein "Wenn du bis Mitte Februar immer noch nicht wieder geraucht hast, komme ich dich noch vorm Urlaub besuchen."-Besuch, der mich in heftigen Momenten gerade mehr als alles andere motiviert. Und auf meinem Schreibtisch liegt Kaugummi in 17 verschiedenen Geschmacksrichtungen, wobei mein "Konsum" beinahe dem vorherigen an Zigaretten entsprechen dürfte. :D

Die Sucht und / oder Gewohnheit macht mir übler zu schaffen als ich vermutet und / oder befürchtet hätte, aber seit ich weiss, dass ich nicht rauchen muss, will ich's auch gar nicht mehr und Land im Kampf gegen meinen Schweinehund gut zu machen, ist mir ja stets eine gute Motivation. Soweit fühlt sich also alles (noch) recht lässig an. Was mir jedoch wirklich zu schaffen macht ist der Strukturverlust in meinem Leben, der mit Ablegen der Gewohnheit einhergeht.

Wie sehr Rauchen ein Teil von mir, meiner Persönlichkeit, meinem Tagesablauf war, wird mir erst so langsam bewusst. Zuerst ist mir nur aufgefallen, dass ich gerade noch ärgere Probleme habe, mich zu Dingen aufzuraffen, den Tag nicht einfach an mir vorbeidrömmeln zu lassen, aber ich habe das eine ganze Weile drauf geschoben, dass es mir gerade ja generell nicht so gut geht und mich das Nichtrauchen schon so viel Kraft und Energie kostet. Dass viel mehr dahintersteckt, dringt erst allmählich ins Bewusstsein.

Die Sucht hat meinem Leben - sprich Tagesablauf - in der Tat Struktur gegeben. Ganz regelmäßig, ohne dass ich dafür etwas tun musste, hat sie sich gemeldet und nach Befriedigung verlangt. Und da ich seit über 1,5 Jahren nur noch draussen geraucht habe, war das keine reine unbewusste Befriedigung via Handgriff zur Zigarette, sondern ich habe jedesmal einen Einschnitt in die Sache gehabt, die ich gerade gemacht habe. Wie sehr ich diesen Einschnitt zweckentfremdet benutzt habe, merke ich jetzt an Sätzen, die mir immer noch durch den Kopf schießen und die lange Jahre meinen Tagesablauf bestimmt haben. "Ich rauche noch eine, dann..." hinter diesem "dann" kam oft irgendeine Handlung / Tätigkeit, die ich erledigen wollte / sollte / musste.  Da sich der Gedanke an die Zigarette irgendwann automatisch durch die Sucht eingestellt hat, war ich also ganz automatisch irgendwann an diesem "dann"-Punkt - ohne großartig darüber nachdenken zu müssen.

Was aber, wenn diese Einschnitte auf einmal wegfallen? Oft genug merke ich erst hinterher, dass ich gerade Stunden mit irgendetwas vertrödelt habe, ohne dass mir bewusst war, wie die Zeit vergeht. Ich fürchte, die Neuerfindung der Struktur ohne Hilfsmittel Sucht wird das härteste Stück Arbeit am Nichtrauchen. :|

Katja

What's up?: aktiv, also gut

Raus aus dem Nebel

geschrieben von ajtak | 3 Feb, 2009, 15:52

Gerade hab ich den Janosch Wandkalender hinter meinem Schreibtisch, der noch den November 2008 angezeigt hat, gegen den diesjährigen ausgetauscht. Und nicht nur kalendermäßig sind der Dezember und Januar mehr an mir vorbeigezogen als dass ich besonders viel von ihnen wahrgenommen hätte. Es sind immer noch die gleichen Themen wie im November, die mich beschäftigen und noch immer bekomme ich es nicht hin, die Gedanken sinnvoll zu greifen und zu entwirren. Nachdem ich jetzt wochenlang gewartet habe, dass sie sich klären, wird's Zeit, das Pferd wieder mal andersrum aufzuzäumen und zu versuchen, über's Schreiben die Klarheit zu finden, die mir in den letzten Monaten so schmerzlich fehlt.

Der Nebel, in dem ich mich gerade befinde, tut mir alles andere als gut. Ich bin immer noch müde und ohne Antrieb und kann mich an den meisten Tagen selber nicht leiden. Also mache ich das, was ich dann am besten kann: ich igle mich ein, damit ich wenigstens nur mir selber auf die Nerven gehe. Und wenn man soviel Zeit mit wem verbringt, den man gerade nicht leiden kann,... ihr wisst schon. Doofer Kreislauf. 

Ich schiebe gerade alles auf die Jahreszeit und klammere mich dran, dass es schon wieder - so insgesamt und allgemein - besser werden wird / muss, wenn's wieder heller und wärmer draussen ist, aber eigentlich gefällt mir das gar nicht. Zum einen will ich nicht noch monatelang in dem Loch drin hängen. Das nervt mich jetzt schon. Zum anderen sollte ich doch langsam wirklich mal gelernt haben (und auch _begreifen_ und verinnerlichen *soifz*), dass von selber eh nix anders wird. Nicht mal durch Sonnenschein. Klar ist's dann einfacher, aber es passiert auch dann nichts, was ich nicht angehe. Was mir also eigentlich seit Monaten fehlt, ist die Fähigkeit, mich aufzuraffen und zu motivieren.

Denken, Gedanken greifen, bewusst Umdenken, meine Klarheit wiederfinden, mich wieder deutlicher wahrnehmen und spüren. Klingt doch gar nicht so kompliziert.

Katja

 

What's up?: -.-