Die Sache mit der Angst
geschrieben von ajtak | 31 Mär, 2009, 20:14Mit Angst, speziell (oder vielleicht auch ausschließlich) meiner eigenen Angst, kenne ich mich aus. Mittlerweile. Das ist, wie so vieles im Leben, vermutlich auch nur eine Übungssache.
Die Angst ist seit Jahren meine treue Begleiterin und so merkwürdig das klingt, kann ich sie mittlerweile wirklich so sehen. Anfangs war sie ein Schreckgespenst und ich wurde, wenn sie auftauchte panisch und wollte vor ihr flüchten. Zur ohnehin schon vorhandenen Angst kam die Angst vor der Angst hinzu und machte alles nur noch schlimmer. Angst war das erste Gefühl, das ich wirklich richtig körperlich spüren konnte. Nicht von ungefähr sagt man "mir sitzt die Angst im Nacken". Nach vielen Jahren, in denen ich der Angst die Herrschaft überlassen habe, ist mir irgendwann klar geworden, dass vor der Angst weglaufen ohnehin nicht funktioniert, dass sie mich eh überall findet. Ein Gedicht von Manfred Mai ist mir damals sehr ans Herz gewachsen:
Zum Glück
Manchmal hab ich Angst -
genau wie du.
Dann schließ ich die Augen
und halt die Ohren zu.
Nur hat das leider keinen Zweck,
denn davon
geht die Angst nicht weg.
Manchmal hab ich Angst -
genau wie du.
Dann halt ich eine Hand
und geh auf die Angst zu.
Damit rechnet sie nicht, zum Glück
und deshalb
weicht sie schnell zurück.
Mittlerweile habe ich gute Strategien mit Angst umzugehen. Wichtig ist in jedem Fall erst mal hin- statt wegzugucken und erst mal herauszufinden, was genau mir da überhaupt Angst macht. Viele Dinge sind bei genauem Hingucken gar nicht mehr so schlimm wie sie aus der Ferne durch den Schleier erscheinen und lassen sich recht gut aufdröseln und in ihre kleinen Bestandteile zerlegen.
Und trotzdem gibt es gerade etwas, was mir solche Angst macht, dass ich wieder mal am Flüchten bin und mich nicht traue hinzugucken. Wider besseren Wissens. Nachts, wenn's still wird und alles Augen-zusammenkneifen, Finger-in-die-Ohren-stecken und laut-"lalala"-Singen nichts mehr hilft, kriecht es zu mir unter die Decke und raubt mir den Schlaf. Und ich frage mich, ob vielleicht auch manche Ängste erst heranreifen müssen (geht das? können sie das?), bis es irgendwann natürlicher wird, sich mit ihnen auseinanderzusetzen oder ob es wieder mal ausschließlich daran liegt, dass ich mir selber nicht fest genug in den Allerwertesten trete.
Manchmal glaube ich, irgendwann wird mal auf meinem Grabstein stehen "Eigentlich hat sie's ja besser gewusst, auf die Reihe hat sie's trotzdem nicht bekommen..."
Katja