Horizonte

geschrieben von ajtak | 4 Aug, 2009, 18:32

Da verbrachte man den größten Teil seines Lebens in fast krankhaftem Ehrgeiz, machte irgendwann das jahrgangsbeste Abi, hatte während des Studiums ein Stipendium der Studienstiftung - immer in der sehnsüchtigen Suche und Hoffnung nach Aufmerksamkeit und Anerkennung der eigenen Mutter gefangen... und dann erzählt man beiläufig in 'nem Telefonat, dass man gerade Nudelteig ausrollt und bekommt ein "Ach Kind, was bin ich stolz auf dich. Du bist so eine richtig gute Hausfrau geworden. Was du alles selber machen kannst!" zu hören.

Ich bin heilfroh, dass so Worte von ihr mittlerweile am Rande der Bedeutungslosigkeit abprallen. Sonst wäre ich vermutlich wirklich versucht, meinen Geist einzumotten, mich auf ihren Horizont einzustellen und Hausarbeit als Inhalt und nicht mehr als Mittel zu empfinden.

Zwischen Grinsen und Kopfschütteln
Katja (Nudelfee :D)

What's up?: gnarz!

Die Sache mit der Wahrnehmung

geschrieben von ajtak | 4 Aug, 2009, 17:50

Manchmal ist es gar nicht so leicht zu bemerken, wenn die Wahrnehmung aus der Spur gerät und ich habe das Gefühl, mir wenigstens vor Augen halten zu müssen, wie schnell das scheinbar passieren kann. Vielleicht hilft es ja dabei, wachsam zu bleiben und die Wahrnehmung gelegentlich einem scharfen Blick zu unterziehen.

Gestern habe ich etwas angepackt, was mir aus der Situation heraus - sowohl der aktuellen gestern Nachmittag als auch meiner augenblicklichen Lebenssituation - total normal vorkam und wo ich mir vorher gar nicht weiter Gedanken drum gemacht habe. Als ich in der Situation drin war, hab ich ordentlich schlucken müssen und die alten Ängste waren für einen kurzen Augenblick wieder sehr präsent. Tief durchatmen und die Entschlossenheit, da jetzt nicht zu flüchten, sondern es durchzuziehen, haben mich letztendlich durch die Situation gebracht. 

Aber statt dass ich stolz darauf war, es geschafft zu haben, hab ich 'ne ordentliche Weile dran zu kauen gehabt, dass es mir so schwer gefallen ist.

Und das ist der Punkt, wo mir hinterher aufgegangen ist, wie verschoben das eigentlich ist. Vor ein paar Monaten wäre der gestrige Nachmittag komplett undenkbar gewesen. Ich hätte niemals den Mut dazu aufgebracht. Seitdem ist nicht viel Zeit vergangen und das Angehen von Dingen ist mir gerade so in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich vorher nicht mal mehr drüber nachdenke. Aber statt mich drüber zu freuen, reagiere ich reflexartig mit Frust, dass ich's nicht lächelnd bewältigt habe, sondern es mir schwer fiel. Das ist doch krank, diesen kleinen Haken dran eher zu bemerken als den großen Teil auf den ich stolz sein kann - es mir überhaupt zugetraut und letztendlich ja auch geschafft zu haben. Wenn auch nicht ganz ohne Kampf.

Ich muss da wohl echt ein bisschen an meiner Wahrnehmung arbeiten.

Katja

Beklemmung

geschrieben von ajtak | 21 Jul, 2009, 16:31

Ich sitze in der Wohnung. Starr. Wie gelähmt. Alle Energie und Motivation, die Dinge zu tun, die ich mir für heute vorgenommen hatte, ist weit weg. Ich wünsche mir zum ersten Mal, mehr Gardinen zu besitzen, fühle mich beobachtet, traue mich kaum zu atmen.

Ein einziger Blick aus dem Fenster hat genügt, das alles auszulösen. Mein Vermieter ist da, schleicht ums Haus rum, macht irgendwas. Und ich merke - wieder Mal, ich habe wirklich Angst vor diesem Mann, fühle mich beklemmt, erdrückt, ausgeliefert. Er, der sich ohne Anmeldung rausnimmt, vorbeizukommen, Einlass in die Wohnung zu begehren. Er, der zwei Schritte näher an einen rankommt als es unter fremden Menschen üblich ist, als mein Sicherheitsbedürfnis es verlangt. Ich fühle mich bedrängt, wenn er das macht, weiche zurück, er kommt nach, hält den Abstand konstant diese zwei Schritte zu niedrig. Bei mir schrillen alle Alarmglocken, mir wird schwindlig, Erinnerungsfetzen kommen hoch, vermischen sich mit dem Brei aus breitem Dialekt, der aus seinem Mund dringt.

Ich hab mir vorgenommen, ihn nicht mehr reinzulassen, wenn ich hier alleine bin. Ihn ohne Anmeldung nicht mehr reinzulassen. Und trotzdem hab ich wahnsinnige Angst, dass mir im entscheidenden Moment, wenn er vor der Tür steht, doch wieder der Mut fehlt, ihm entschieden genug gegenüber zu treten.  Ich weiss nicht mal, was genau er an sich hat, was mich so extrem einschüchtert.

Also sitze ich hier, atemlos, zitternd, mich tot stellend und hoffend, dass es ruhig bleibt, nicht an der Tür klingelt, wartend, dass es Abend wird, die Wahrscheinlichkeit größer wird, dass er nicht mehr ums Haus schleicht.

Ich hasse es, mich meiner Angst so passiv zu unterwerfen, aber ich hab keine Ahnung, wie ich mich ihr in diesem Fall stellen soll. Weiss nicht mal, wie groß der Anteil ist, den er durch sein Verhalten tatsächlich hat und wieviel davon nur einfach alte Dämonen heraufbeschwört.
Ich mag die Wohnung, fühle mich hier (eben fast immer) wohl, hab das Gefühl am viel kürzeren Hebel zu sitzen, freundlich bleiben zu müssen, nett lächeln zu müssen anstatt deutliche Grenzen aufzuzeigen.

Wird ein Übergriff dadurch zum Übergriff, dass er als solcher gemeint ist oder genügt für ein berechtigtes "Stopp!", dass ich ihn als solchen empfinde? 

Mir ist übel...

Katja

Toleranzverhedderung

geschrieben von ajtak | 1 Jul, 2009, 19:34

Vorhin habe ich einen Beitrag (leider in einem geschlossenen Forenbereich und nicht öffentlich zugänglich, daher kein Link) eines Mannes gelesen, der sich darin über den aktuellen Hype anlässlich Michael Jacksons Tod aufregt, darüber wie sehr die Welt verrückt spielt und vor allem darüber, dass die "wirklichen Tragödien" (in Anführungsstrichen, da Zitat, nicht weil ich die "Echtheit als Tragödie" in Frage stellen würde), die beiden Flugzeugabstürze der letzten Zeit, dahinter verblassen würden. Medial meint er, nehme ich an. Die Trauer über Jacksons Tod verurteilt er, zum Aufwachen fordert er auf und zur Wahrnehmung der "wirklichen" Tragödien.

Obwohl ich in diesem Forum meist nur still mitlesend war, war ich gerade drauf und dran eine Antwort zu schreiben:

- wie problematisch ich es finde, das Leid anderer Menschen zu werten
- wie subjektiv Kummer mMn ist
- darüber, dass es kein offizielles Maß für Leid gibt
- darüber, wie sehr die eigene Wahrnehmung von Gefühlen vom aktuellen Betrachtungsstandpunkt abhängt
- wie banal selbst meine persönlichen Tragödien, jetzt teilweise mit Jahren Abstand, daherkommen
... und noch viele weitere Gedanken zu dem Thema

Just als ich meinen Text vorm Absenden nochmal durchlas, schoss mir der Gedanke "Was machst du hier überhaupt?" durch den Kopf.

Da regt sich jemand über die Gefühle anderer Menschen auf und wertet diese. Und ich lese das und störe mich dran, weil es mMn so wenig mit Toleranz, Mitgefühl und Verständnis für andere Menschen zu tun hat und bin also drauf und dran, mit bester Absicht im Hinterkopf, aber doch trotzdem genau das gleiche zu tun wie dieser jemand. Mich über seine Gefühle nicht aufzuregen, aber doch auszulassen und sie damit ja auch ein Stück weit zu werten.

Schräg! Ist mir vorher noch nie so krass aufgefallen, dass die "Forderung" nach Toleranz ja quasi Intoleranz nicht toleriert. Falls jemand einen Weg aus diesem Gedankenverhedderer weiss, freue ich mich über Denkanstöße.

Katja

What's up?: nachdenklich

Wiedergefunden

geschrieben von ajtak | 24 Jun, 2009, 15:45

Seit Jahren hab ich immer wieder mal sporadisch versucht, die Spur einer alten Freundin im Web aufzunehmen, die ich vor vielen Jahren aus den Augen verloren habe. Aktuelle Mailadresse hatte ich irgendwann keine mehr - zumindest kam vor ein paar Jahren keine Antwort mehr auf der altbekannten Adresse. Heute bin ich zufällig über eine Erinnerung gestolpert und hab mich wieder einmal auf die Suche gemacht und bin zum ersten Mal seit Jahren fündig geworden. Und ich habe nicht nur eine Ahnung, dass sie das sein könnte, sondern bin absolut sicher, weil nicht nur ihr Name stimmt, sondern ich auch noch eine Verbindung zu ihrem alten Nick gefunden habe.

Und statt mich einfach nur wie blöde zu freuen und direkt Kontakt zu ihr aufzunehmen, sitze ich hier mit 'nem Stein im Magen und hab Schiss. Total beknackt.

Ich hab das schon häufiger an mir beobachtet, dass ich in so Situationen mit Lähmung reagiere. Fast so als könnte ich nachträglich eine schöne Erinnerung zerstören, wenn ich mich traue, wieder Kontakt aufzunehmen und feststelle, dass die frühere Verbundenheit nicht mehr da ist. Da sitze ich lieber da und denke sehnsüchtig an alte Freunde zurück als mich dem Hier und Jetzt zu stellen. Dabei bekomme ich nicht mal genau zu fassen, was überhaupt daran mir so eine Angst macht und mich so lähmt. Klar betrachtet habe ich doch im Hier und Jetzt tatsächlich nichts zu verlieren. Eben ausser 'ner Sehnsucht und doofen Hoffnung. Aber bitte was ist die denn schon wert? Also tatsächlich wert?

Katja

What's up?: brummschädelig

schmaler Grat

geschrieben von ajtak | 17 Jun, 2009, 20:05

"Meine Handynummer hat nur deine Schwester."

Nach dem Satz hat's 'nen Augenblick gedauert bis mir aufgegangen ist, dass das nichts damit zu tun hat, wer ihr Lieblingskind ist, sondern dass das so ist, weil ich mir das so ausgesucht habe, mich abgegrenzt, aus ihrem persönlichen Besitz entfernt habe. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Ich kann tief durchatmen und mein Leben leben, ohne mindestens zwei Kontrollanrufe pro Tag, ohne "das musst du aber machen, weil ich das will". Sie bekommt von mir nicht mehr als ich bereit bin zu geben.

Wie gut und richtig das so ist, zeigt bezeichnenderweise die Bezeichnung, die ich heute wieder mal verliehen bekommen habe. "Mein Kindchen". Genau. Scheinbar gibt es Menschen, für die es keinen Unterschied gibt zwischen der verwandtschaftlichen Beziehung "Kind" und dem Entwicklungsstadium "Kind". Ob das Kindchen mittlerweile weit über 30 ist, spielt dabei keine Rolle.

Wie groß die Gefahr ist, mich wieder in die Kindsrolle reindrängen zu lassen und da auch bereitwillig einzufinden, ist mir beim obigen Satz aufgegangen. Immerhin merke ich das jetzt, wenn ich ins Rutschen gerate. Das war vor ein paar Jahren noch anders. Aufmerksam muss ich trotzdem bleiben!

*Memo mach*

Katja

Die Faszination nicht wegsehen zu können

geschrieben von ajtak | 12 Jun, 2009, 18:45

Ich habe nie nachvollziehen können, was Menschen dazu bewegt sich im Fernsehen irgendwelche nachmittäglichen Talkshows oder mittlerweile wohl eher Dokusoaps anzuschauen. Als Harmonikerin liegt mir Streit nicht sonderlich - aktiv schonmal gar nicht und passiv betrachtend fand ich ihn bisher auch nicht sonderlich spannend.

Seit ich nicht mehr rauche bin ich auf einer Nicht(mehr)raucherplattform zwecks Erfahrungsaustauschs angemeldet - mehr lesend und sehr selten nur schreibend. Das liegt mitunter darin begründet, dass es sich dabei um ein für meine Vorstellungen echt streitsüchtiges Völkchen handelt. Dauernd kabbeln die sich über irgendwas.

Da gibt es auf der einen Seite die Admins, die eine recht eingeschworene Gemeinschaft zu sein scheinen und jede Unterhaltung, jedes Thema, wenn sie es erst mal "geentert" haben für ihren insidermäßig verschlüsselten Privataustausch zweckentfremden, die direkt zur Stelle sind, wenn irgendwer sich regt und so gut wie jeden Beitrag sofort kommentieren, meist so dominant und mit einem "ich bin der Admin"-Hinweis, dass kein Raum für echten Austausch bleibt.
Die dann aber andererseits alle paar Tage beleidigte Beiträge verfassen, in denen sie der Community Vorwürfe dafür machen, dass sie so ruhig ist und wenn jemand versucht, ihnen zu erklären, woran das sMn liegt, reagieren sie noch beleidigter. Kritik ist unerwünscht. 

Immerhin reissen sie sich ja den Allerwertesten für uns alle auf, ruinieren sich dabei nervlich und finanziell und haben ohnehin bald keine Lust mehr, wenn wir eh alle so undankbar sind. Schließlich machen sie das ja nicht für sich sondern nur für uns.

Und dann sind da die mehrheitlich schweigenden "User" (Ja, die nennen uns echt User, obwohl da kaum wer was nutzt (:D) und ich persönlich den Begriff ja immer eher beleidigend als modern empfinde), von denen gelegentlich mal jemand versucht, einen echten Austausch anzukurbeln und deren Beitrag ansonsten primär darin besteht, sich dauernd zu rechtfertigen wieso sie so wenig aktiv sind.

Vor einigen Tagen schaukelte sich das Ganze dann höher als gewohnt.

Einer der Admins, der gerade sein erstes rauchfreies Jahr hinter sich gebracht hatte, meinte als "Belebungsversuch" der Seite mit einer "Ich bin umgefallen und habe wieder geraucht"-Geschichte daherkommen zu müssen. Die Aufklärung, dass das ein Fake war, gab es einige Tage später, zusammen mit jeder Menge Vorwürfe über die nicht wunsch- und erwartungsentsprechende Resonanz.

Mir war von Anfang an nicht so klar, wieso ich da überhaupt angemeldet bin und spätestens das war dann der Punkt, wo ich eigentlich dachte, reicht jetzt, das passt einfach nicht. Mit so "Schwiegermuttergehabe" konnte ich eh noch nie gut und Schuldgefühle kann ich mir auch alleine ganz gut machen, dafür brauche ich nicht noch jemanden zusätzlich. Tja bei dem eigentlich ist es geblieben. Mir ist nämlich aufgefallen, dass ich nicht in der Lage war, den Tab im Browser wirklich dicht zu machen. Stattdessen habe ich fasziniert vorm Monitor gesessen und zugeguckt, wie die User aufbegehrt haben. Ein tagelanges hin und her von Beleidigtsein, Vorwürfen, Erklärungs- und Klärungsversuchen bis hin zu "ich lösch mich jetzt"-Geschmolle, das mich täglich zum Staunen gebracht hat. Gestaunt hab ich auch darüber, dass die Seite erreichbar blieb und da scheinbar doch die Grenze des Schmollens war. Bei jedem neuen (guten) Erklärungsversuch dachte ich, der müsse jetzt durch die Wand durchbrechen, aber irgendwie schien alles abzuprallen.

Und ich hab mich dafür geschämt, dass mich dieser Streit - so abstoßend ich ihn fand - trotzdem so fasziniert hat, dass ich nicht weggucken konnte. Fast so als würde ich verbotenerweise durch ein Schlüsselloch schauen...

Jetzt ist Frieden eingekehrt. Fast nichts ist wirklich geklärt und alle tun bewusst so als sei nie was gewesen. Und ich bin immer noch da - noch sicherer, dass ich mit diesen Menschen nie wirklich warm werden könnte - aber aus irgendwelchen Gründen unfähig den Tab einfach zu schließen und nicht mehr hinzugehen.

Irgendwie sind diese Leute im letzten halben Jahr doch ein Teil meines Lebens geworden und der rituelle Besuch der Seite hält mir immer im Bewusstsein, wachsam zu bleiben was mein Nichtmehrrauchen angeht.

Trotzdem scheue ich die direkte Auseinandersetzung, bin in dieser speziellen Situation pessimistisch genug, nicht anzunehmen, dass meine Erklärungsversuche besser ankommen würden als die der anderen und lass es folglich direkt bleiben. Trotzdem beschäftigt mich das gerade seit Tagen und musste dringend mal aus meinem Kopf raus. Platz für erfreulichere Dinge schaffen! Ja!

Katja

 

Vermenschlicht

geschrieben von ajtak | 9 Jun, 2009, 19:10

Dass meine Spülmaschine James heisst, ist eher der Tatsache geschuldet, dass unsere Spülmaschinen schon immer Namen hatten und alle Vorgängerinnen Minna hießen. Da wurde es Zeit für geschlechtliche Gleichberechtigung.

Dass ich an meinem Golfi hing, ist vermutlich nicht so ungewöhnlich. Bei Autos guckt wohl kaum jemand komisch, wenn sie - trotzdem man sie als Gebrauchsgegenstand ansieht - ja doch irgendwie zur Familie gehören.

Dass ich gerade leide, weil ich morgen 'ne neue Waschmaschine bekomme, finde ich dann allerdings selber nicht mehr so lustig. Meine alte Waschmaschine ist fast 30 Jahre alt und stammt noch aus den Anschaffungen meiner Großeltern. Irgendwie ist die damals dann in meinen Besitz übergegangen und mit mir umgezogen. Eigentlich funktioniert sie noch und das ist es, was die Sache für mich vermutlich so schwierig macht. Sie wäscht seit Jahren nicht mehr besonders toll und oft nicht auf Anhieb richtig sauber und gelegentlich läuft sie aus. Sie schleudert nicht von selber und ich muss jeden Waschgang zweimal manuell weiterdrehen, d.h. für 'ne Maschine Wäsche viermal in den Keller hechten. Und vermutlich verbraucht sie abartige Mengen an Wasser und Strom. Alles gute Gründe, längst eine neue gekauft zu haben.

Aber sie  funktioniert eben immer noch. Und das seit fast 30 Jahren. Das soll ihr eine der jüngeren Generation erst mal nachmachen!

Seit ich gestern erfahren habe, dass morgen die neue Waschmaschine geliefert wird, plagt mich ein schlechtes Gewissen, als würde ich jemanden Alten, nur weil er eben nicht mehr so ganz auf der Höhe ist, abschieben. Und auch wenn ich mir selber dauernd einrede, dass es nur eine Waschmaschine ist, geht der seltsame Kloß im Hals nicht weg. Und ich frage mich, wie groß der Hau ist, den ich habe, wenn mir sowas so nahe geht. :O

So Filme wie "Nummer 5 lebt", haben die vermutlich extra für jemanden wie mich gemacht. *soifz*

Vielleicht hilft's ja gegen den Kloß:

Liebe Waschmaschine, wohin auch immer dein Ruhestand dich führen möge, bitte sei dir gewiss, dass du hier nicht vergessen wirst und hab Dank für deine treuen Dienste.

P1030340

Katja, die gerade dran denken muss, dass sie sich letztens auch bei 'ner Bratpfanne, deren Beschichtung kaputt war, entschuldigt hat, als sie diese in den Müll geworfen hat :O

Gedankenfalle

geschrieben von ajtak | 28 Mai, 2009, 18:32

Vor einiger Zeit habe ich in einem Buch über die sechs häufigsten Arten negativen Denkens gelesen und festgestellt, dass ich die natürlich alle perfekt beherrsche. OK, keine wirkliche Überraschung, irgendwas muss ja jeder können. :D
Das Schlimme war, dass das natürlich wieder mal unbewusste Prozesse sind und dass ich das früher nie bemerkt habe. An Stellen, wo es mehrere mögliche Interpretationen gab, habe ich nur eine - natürlich die negativst mögliche - wahrgenommen. Seitdem ich das weiss, arbeite ich dran, mir an solchen Stellen wenigstens ins Bewusstsein zu rufen, dass meine Wahrnehmung nicht zwingend richtig sein muss.

Heute ist wieder mal so ein Tag, wo ich da ordentlich dran zu kämpfen habe, seitdem ich etwas gelesen habe. Mein erster Oh-du-wirst-gerade-voll-angegriffen-Eindruck hat sich ganz schön hartnäckig breit gemacht. Wenn ich mich zwinge, näher drüber nachzudenken, dann muss ich das eigentlich völlig falsch verstanden haben. Der Mensch, von dem die Äusserung stammt, trampelt nicht absichtlich auf den Gefühlen anderer rum und ist auch nicht so gedankenlos, dass es an solch einer Stelle unabsichtlich passieren würde und eigentlich bin ich darüber sicher.

Und trotzdem setzt's mir zu und beschäftigt mich und ich merke, wie ich in der Ach-und-was-wenn-doch?-Gedankenfalle festhänge. Klar, nachfragen wäre die einfachste (haha!) Möglichkeit, aber genau das kann und will ich an der Stelle gerade nicht. Weil's ausgerechnet die Person ist, die ich überhaupt nicht (mehr) deuten kann, die mich so immens verunsichert.

Das hab ich selten so erlebt. In den meisten Begegnungen ist Sympathie oder Antipathie etwas Gegenseitiges. Hab ich zumindest bisher fast immer so empfunden. Entweder man mag sich oder man mag sich nicht. Mit beidem kann ich leben. Was ich jedoch total kompliziert finde ist, jemanden zu mögen und das Gefühl zu haben, mein Gegenüber findet mich eigentlich total blöde. Vielleicht verwechsle ich auch da Unnahbarkeit mit Schüchternheit? Das will ich an der Stelle zumindest so gerne glauben. Vor einigen Monaten dachte ich, das wäre eine beginnende Freundschaft und fand das ganz großartig. Am liebsten würde ich einfach fragen. Ich weiss auch nicht, wieso meine Feigheit ausgerechnet da über meine Offenheit siegt. Einen einzigen zaghaften Versuch habe ich gewagt, um zu versuchen herauszufinden, was sich geändert hat und bin damals sofort zurückgeschreckt, weil ich da schon die Reaktion nicht einschätzen konnte.

Ist doch eigentlich beknackt. Das beschäftigt mich seit Monaten und lässt mich nicht in Ruhe. Und anstatt mir einmal richtig auf's Maul und Gewissheit abzuholen, bleibe ich lieber in der Hoffnung hängen, dass Mensch mich ja vielleicht doch nicht doof findet und aus anderen, was auch immer für Gründen so 'nen großen Schritt zurückgemacht hat und doch irgendwann wieder ein Stück näher kommt.

Nachdem ich definitiv an dem Versuch gescheitert bin, einen Menschen nicht mehr zu mögen, nur weil meine Sympathie nicht auf Gegenseitigkeit beruht, wünsche ich mir zwischenzeitlich, es würde nicht so weh tun, einen Menschen zu mögen, der mich nicht leiden kann...

Katja

What's up?: herrje nochmal!

Sicherheitsbedürfnis

geschrieben von ajtak | 29 Apr, 2009, 15:04

Ufff. Beim genaueren Hinhören habe ich festgestellt, wie gut der Text aktuell wieder mal zu mir passt, speziell bei den seltsamen Gefühlen, die ich in letzter Zeit mit mir rumschleppe.

Ist es sehr bescheuert, sich gelegentlich zu wünschen, dass jemand daherkommt und einem ein simples "Alles wird gut." in die Hand drückt? Und ist es sehr naiv, dann auch daran glauben zu wollen?

Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit
in einer Welt in der nichts sicher scheint.
Gib mir in dieser schweren Zeit irgendwas das bleibt.


Danke an jemanden, der mir immer wieder hilft, meinen Boden unter den Füßen zu finden.

Katja 

 

Du hast es so gewollt!

geschrieben von ajtak | 28 Apr, 2009, 14:10

Es soll ja Leute geben, denen Veränderung leicht fällt.

Ich gehöre (leider?) nicht zu diesem Menschenschlag. Für mich sind Umzüge Horror, keine spannende neue Herausforderung. Ich benutze am liebsten immer gleichfarbige Zahnbürsten und bevor ich in 'nem fremden Bett echt schlafen kann, vergehen einige Nächte. Ich klebe an alten Denkmustern und Verhaltensweisen und tu mir ungeheuer schwer damit, Gewohnheiten über Bord zu werfen. Und ich hab nicht mal jeden Tag 'nen neuen Ohrwurm. :D

Ich treffe auch nicht gerne Entscheidungen - zumindest keine, die eine gewisse Tragweite besitzen. 

Im Moment tue ich mir ungeheuer schwer damit, meine neueste Veränderung als gut zu empfinden. Obwohl es meine eigene Entscheidung war und ich weiss, dass sie gut so ist, wie sie ist, falle ich dauernd auf meine ja-aber-was-wenn-Ängste rein und so im Nachhinein verklärt sich meine Sicht an solchen Punkten häufig zu der doofen Idee, ich hätte ja gar keine echte Wahl gehabt. Bescheuert, wo ich doch weiss, dass es meiner Verantwortung unterliegt und ich mir das natürlich ausgesucht habe.

Und wenn ich mir das gerade wieder mal selber vor Augen halte und mir 'nen Tritt für die Befürchtungen verpasse, sehe ich in den letzten Tagen dauernd das Gesicht eines früheren Arbeitskollegen im Geiste vor mir, der mich damals mit den Worten "Du hast es so gewollt!" verabschiedet hat. Genau! Hab ich!

Also zusammenreissen und an das denken, was _wirklich_ _wichtig_ ist.

Katja

Selbst-Wert-Schätzung und Leistung

geschrieben von ajtak | 20 Apr, 2009, 17:36

Als Kind habe ich gelernt, dass mein Wert sich danach bemisst, was ich leiste. Aufmerksamkeit und Zuneigung gab es für gute Schulnoten, gab es für gutes "Funktionieren".
Viele Jahre später hat mich mein Ehrgeiz, mein unbedingtes(-auf-Warnsignale-keine-Rücksicht-nehmendes-)Leistung-bringen-Müssen komplett aus der Bahn geworfen. Rien ne va plus. Von heute auf morgen ging plötzlich überhaupt nichts mehr.

Seitdem lerne ich an der Lektion, dass Selbst-Wert-Schätzung nicht an Leistung gekoppelt sein muss.

Und speziell für den Selbstwert, dass er nichts, aber auch gar nichts, damit zu tun hat und / oder / beziehungsweise auch in meiner Wahrnehmung nichts damit zu tun haben sollte / darf / muss, welches Feedback ich von aussen bekomme, sondern dass ich mich einfach dafür mögen sollte (darf ? !) wer ich bin.

Und hier scheiden sich wieder einmal Theorie und Praxis in meinem Leben. Obwohl ich theoretisch weiss, wie's funktionieren kann, klebt mein Empfinden an den alten, in langen Jahren eingeübten, Mustern fest.

Ein heftiger Schritt auf diesem Sektor, dessen Ausmaß mir jetzt erst nach und nach bewusst wird, ist eine Entscheidung, die ich vor einigen Tagen getroffen habe. Ganz bewusst haue ich mir eine Tür zu - ursprünglich mit der Intention, mir selber eine Möglichkeit des Verkriechens wegzunehmen. Dass ich mir damit auch einen der ganz wenigen Bereiche wegnehme, wo ich bisher meine Rückmeldung / Anerkennung für etwas, was ich getan habe, bezogen habe, wird mir erst nach und nach bewusst.

Ufff. Mal sehen, wie sich das anfühlen wird. Speziell beim Gedanken an Phasen, wo's mir nicht so gut geht, bekomme ich schon ordentlich Angst. Aber ich kann doch nicht aus Angst vorm nächsten Winter den ganzen Sommer über vorsorglich drinnen bleiben. Kann ich doch nicht, oder? Määäh! Vor allem will ich das nicht. Einatmen. Ausatmen. Jetzt. Später = Später!

Katja

What's up?: verwirrt

Die Sache mit der Angst

geschrieben von ajtak | 31 Mär, 2009, 20:14

Mit Angst, speziell (oder vielleicht auch ausschließlich) meiner eigenen Angst, kenne ich mich aus. Mittlerweile. Das ist, wie so vieles im Leben, vermutlich auch nur eine Übungssache.

Die Angst ist seit Jahren meine treue Begleiterin und so merkwürdig das klingt, kann ich sie mittlerweile wirklich so sehen. Anfangs war sie ein Schreckgespenst und ich wurde, wenn sie auftauchte panisch und wollte vor ihr flüchten. Zur ohnehin schon vorhandenen Angst kam die Angst vor der Angst hinzu und machte alles nur noch schlimmer. Angst war das erste Gefühl, das ich wirklich richtig körperlich spüren konnte. Nicht von ungefähr sagt man "mir sitzt die Angst im Nacken". Nach vielen Jahren, in denen ich der Angst die Herrschaft überlassen habe, ist mir irgendwann klar geworden, dass vor der Angst weglaufen ohnehin nicht funktioniert, dass sie mich eh überall findet. Ein Gedicht von Manfred Mai ist mir damals sehr ans Herz gewachsen:

Zum Glück

Manchmal hab ich Angst -
genau wie du.
Dann schließ ich die Augen
und halt die Ohren zu.

Nur hat das leider keinen Zweck,
denn davon
geht die Angst nicht weg.

Manchmal hab ich Angst -
genau wie du.
Dann halt ich eine Hand
und geh auf die Angst zu.

Damit rechnet sie nicht, zum Glück
und deshalb
weicht sie schnell zurück.

Mittlerweile habe ich gute Strategien mit Angst umzugehen. Wichtig ist in jedem Fall erst mal hin- statt wegzugucken und erst mal herauszufinden, was genau mir da überhaupt Angst macht. Viele Dinge sind bei genauem Hingucken gar nicht mehr so schlimm wie sie aus der Ferne durch den Schleier erscheinen und lassen sich recht gut aufdröseln und in ihre kleinen Bestandteile zerlegen.

Und trotzdem gibt es gerade etwas, was mir solche Angst macht, dass ich wieder mal am Flüchten bin und mich nicht traue hinzugucken. Wider besseren Wissens. Nachts, wenn's still wird und alles Augen-zusammenkneifen, Finger-in-die-Ohren-stecken und laut-"lalala"-Singen nichts mehr hilft, kriecht es zu mir unter die Decke und raubt mir den Schlaf. Und ich frage mich, ob vielleicht auch manche Ängste erst heranreifen müssen (geht das? können sie das?), bis es irgendwann natürlicher wird, sich mit ihnen auseinanderzusetzen oder ob es wieder mal ausschließlich daran liegt, dass ich mir selber nicht fest genug in den Allerwertesten trete.

Manchmal glaube ich, irgendwann wird mal auf meinem Grabstein stehen "Eigentlich hat sie's ja besser gewusst, auf die Reihe hat sie's trotzdem nicht bekommen..." :O

Katja

What's up?: soifzig

Gartenarbeit ist Meditation

geschrieben von ajtak | 11 Mär, 2009, 17:32

Erstaunlich. Sieben Tage Gartenarbeit liegen hinter mir und nicht nur, dass ich durchgehalten habe (!) - je länger ich im Garten beschäftigt war, desto besser fand ich's. Folglich ist jetzt auch nicht Schluss, sondern ich werde mich weiterhin durchbuddeln. Und das eben nicht, weil ich ja nur schlecht nach 'nem halben Garten umgraben aufhören kann, sondern weil ich wirklich Spaß an Gartenarbeit entdeckt habe. Und natürlich auch, weil ich jetzt gerne sehen möchte, ob ich aus dem verwüsteten Chaos (was ja nicht mal hübsch verwildert ist) nicht was Schönes rausholen kann. Aber das steht lustigerweise im Hintergrund und selten war mir das platte "der Weg ist das Ziel" näher.

Muskelkater ist gar nicht so schlimm, wie ich ihn früher immer wahrgenommen habe. Wenn man ihn konsequent ignoriert und einfach täglich weitermacht, wird er irgendwann nicht mehr schlimmer und man spürt den Schmerz kaum noch. :D

Und Gartenarbeit hat - zumindest für mich - echt was meditatives. Spaten ansetzen, drauf treten, zweite Hand an den Stiel, Spaten kippen, bücken, Erde lockern, Wurzeln und Unkraut rauszupfen, aufrichten und von vorne. Nachdem ich das heute zwei Stunden am Stück immer wieder und wieder gemacht habe, fiel mir irgendwann auf, dass die brennendste Frage, die mich in dem Moment beschäftigte war, wie Regenwürmer das eigentlich machen, so sauber zu bleiben obwohl sie den ganzen Tag in der Erde rumkriechen und wieso meine Hände nach kürzester Zeit Gartenarbeit so schwarz sind. Herrlich, wenn der Kopf endlich mal so leer ist, dass Platz für solche Gedanken ist.

Erstaunlich, wie sehr das Nichtmehrrauchen mein Leben gerade durcheinanderbringt. Einerseits habe ich das Gefühl, dass ein ganz wesentlicher Teil meiner Persönlichkeit einfach weg ist und dass ich die Lücke erst mal irgendwie wieder auffüllen, mich neu sortieren / erfinden muss. Andererseits ist es ein unglaubliches Gefühl, die eigene Stärke wahrzunehmen. Hey, nach 22 Jahren Rauchen bin ich jetzt schon seit 81 Tagen rauchfrei. Wenn ich das schaffe, schaffe ich's auch es 'ne Woche mit Gartenarbeit zu versuchen. Und wenn ich's schaffe, aus dem wüsten Chaos 'nen hübschen Garten hinzubekommen; wer weiss was mir sonst noch alles gelingt?! ;)

Katja

What's up?: rechtschaffen müde

Projekt: Pause von der Kopflastigkeit

geschrieben von ajtak | 7 Mär, 2009, 19:04

Seit November geht's mir lausig und ich hänge durch wie lange nicht mehr. Entweder dieser Winter ist wirklich schlimmer als die letzten oder mir fällt der Unterschied krasser auf, weil ich im Sommer so gut drauf war und so (für meine Verhältnisse) gut vorangekommen bin. Das Nichtmehrrauchen macht's nicht leichter. Mir wird immer deutlicher, welch vielfältige Zwecke die Zigaretten bei mir erfüllt haben, speziell aber hab ich immer noch kein sinnvolles Ersatzberuhigungs- und -motivationsmittel. :| Seit ein paar Wochen schlafe ich ausserdem wieder mal lausig bis gar nicht - der Kopf rotiert und findet keine Ruhe. 

Und ich gucke mir wieder mal dabei zu und will so gerne da raus und steh mir wieder ordentlich selber im Weg. 

Da alles Denken mich momentan scheinbar nicht weiterbringt, versuche ich den Kopf mit körperlicher Arbeit / Bewegung klar zu bekommen. Und um mich nicht wieder mit einem "ich könnte ja mal....probieren" und den nachfolgenden mindestens 10 guten Gründen weswegen ich aber nicht genau jetzt anfangen kann rauszuwinden, hab ich vorgestern, direkt nachdem ich den Entschluss gefasst hatte, losgelegt. Ohne lange drüber nachzudenken, ohne irgendwas zu planen und nicht über die "Kopfvorarbeit" rauszukommen. Und da ich mich und mein Durchhaltevermögen bei solchen Dingen gut genug kenne, erlege ich mir das Ganze als Projekt auf: Mindestens für die nächste Woche heisst's täglich mindestens 'ne Stunde körperlich schuften.

Donnerstag habe ich damit angefangen, den Garten umzubuddeln. Krass ungewohnte Tätigkeit; was körperliche Arbeit angeht, bin ich wirklich ein ganz schönes Weichei und mir tut jeder Muskel einzeln weh. Gestern war's zu nass draussen, aber immerhin hab ich 'ne blitzsaubere Küche und endlich wieder mal das Treppenhaus samt Waschküche sauber gemacht und vorhin hab ich zwei Stunden im Garten gegraben. Da bekommen morgen die Erdbeerpflanzen aus dem Singing ya ya yippie yippie yeah-Baumarkt ihr neues Zuhause.

Der positive Nebeneffekt ist, dass ich endlich mal die "Gartenaufhübschung" angehe. Im Kopf habe ich das schon seit fast 2 Jahren - also quasi seit ich hier wohne - aber es gab ja jederzeit die mindestens 10 guten Gründe, wieso ich das natürlich nie direkt anfangen konnte. :D

Ausserdem bekomme ich endlich wieder ausreichend frische Luft. Seit ich nicht mehr rauche, ist das echt dramatisch zu wenig. Klingt total bescheuert, ist aber in der Tat so. Als Raucherin war ich alleine des Rauchen wegens über 'ne Stunde am Tag auf der Terasse. Seit ich nicht mehr rauche hab ich mir das bei dem Mistwetter im Winter natürlich gespart und das reissen auch die vermehrten Spaziergänge nicht raus.

Wenn ich nach der Woche merke, dass das alles Mist ist, kann ich's immer noch wieder lassen. So lange werde ich aber durchhalten, mich an meinem Muskelkater erfreuen (das stimmt sogar!) und hoffen, dass mich die Frischluft und das gute Gefühl, was geleistet zu haben, was man sogar sehen kann, nachts zur Ruhe kommen lässt.

Dass ich stur sein kann und Durchhaltevermögen habe, hab ich zumindest in den letzten 77 Tagen gemerkt. Selbst in Momenten, in denen ich mir 'ne Hand für 'ne Zigarette abhacken könnte, tu ich's nicht (also weder das Rauchen noch das Hand abhacken :D) und hab in der Zeit ca. 925 (!) Zigaretten nicht geraucht. Und ja: ich bin stolz auf mich. Vermutlich zum ersten Mal seit langem...

Katja

What's up?: geschafft

Who's the boss?

geschrieben von ajtak | 10 Feb, 2009, 16:52

Dass ich jedem, der auf die Idee käme, mir vorschreiben zu wollen, wie und was ich zu denken habe, freundlich 'nen Vogel zeigen würde, ist unbestritten. Was ich denke, wie ich über ein bestimmtes Thema denke, welche Meinung ich zu etwas habe, ist einzig und alleine meine Angelegenheit - schließlich spielt sich das in meinem Kopf ab und unterliegt meinem Willen.

Seltsam, wenn mir dann wieder mal aufgeht, wie wenig das für mich selber zu gelten scheint. Wie oft fühle ich mich meinen Gedanken ausgeliefert und habe den Eindruck, keinen Einfluss darauf nehmen zu können. Wie geduldig hab ich in den letzten Wochen hingenommen, dass sie nun mal gerade so negativ sind. 

Natürlich weiss ich, was konsequentes Umdenken bewirken kann. Klar weiss ich genau, was ich tun müsste, um endlich wieder mal aus dem Loch rauszukommen. Tolle Theorie und doch stehe ich mir seit Wochen selber im Weg, wenn's an die Praxis rangeht.

Dabei ist der Schlüssel wieder mal einfach und offensichtlich und so langsam wird's mir peinlich vor mir selber, dass ich das immer wieder so ausblenden und so blind durch mein Leben stolpern kann, obwohl mir die Lösung in anderen Bereichen beinahe in die Nase beisst: 

1. Ich entwickele immense Kraft, wenn ich etwas dolle genug will.
2. Es ist meine Entscheidung.

Da scheint es auch keinen Weg dran vorbei zu geben.

Erstaunlich wieviel sich auf diese einfachen Sätze runterbrechen lässt und wo die überall Geltung haben. Vielleicht sollte ich als erstes mal die Entscheidung treffen, dass ich mich von meiner Blindheit verabschiede und da mit Nachdruck dran arbeiten.

Katja

What's up?: besser als gestern

Raus aus dem Nebel

geschrieben von ajtak | 3 Feb, 2009, 15:52

Gerade hab ich den Janosch Wandkalender hinter meinem Schreibtisch, der noch den November 2008 angezeigt hat, gegen den diesjährigen ausgetauscht. Und nicht nur kalendermäßig sind der Dezember und Januar mehr an mir vorbeigezogen als dass ich besonders viel von ihnen wahrgenommen hätte. Es sind immer noch die gleichen Themen wie im November, die mich beschäftigen und noch immer bekomme ich es nicht hin, die Gedanken sinnvoll zu greifen und zu entwirren. Nachdem ich jetzt wochenlang gewartet habe, dass sie sich klären, wird's Zeit, das Pferd wieder mal andersrum aufzuzäumen und zu versuchen, über's Schreiben die Klarheit zu finden, die mir in den letzten Monaten so schmerzlich fehlt.

Der Nebel, in dem ich mich gerade befinde, tut mir alles andere als gut. Ich bin immer noch müde und ohne Antrieb und kann mich an den meisten Tagen selber nicht leiden. Also mache ich das, was ich dann am besten kann: ich igle mich ein, damit ich wenigstens nur mir selber auf die Nerven gehe. Und wenn man soviel Zeit mit wem verbringt, den man gerade nicht leiden kann,... ihr wisst schon. Doofer Kreislauf. 

Ich schiebe gerade alles auf die Jahreszeit und klammere mich dran, dass es schon wieder - so insgesamt und allgemein - besser werden wird / muss, wenn's wieder heller und wärmer draussen ist, aber eigentlich gefällt mir das gar nicht. Zum einen will ich nicht noch monatelang in dem Loch drin hängen. Das nervt mich jetzt schon. Zum anderen sollte ich doch langsam wirklich mal gelernt haben (und auch _begreifen_ und verinnerlichen *soifz*), dass von selber eh nix anders wird. Nicht mal durch Sonnenschein. Klar ist's dann einfacher, aber es passiert auch dann nichts, was ich nicht angehe. Was mir also eigentlich seit Monaten fehlt, ist die Fähigkeit, mich aufzuraffen und zu motivieren.

Denken, Gedanken greifen, bewusst Umdenken, meine Klarheit wiederfinden, mich wieder deutlicher wahrnehmen und spüren. Klingt doch gar nicht so kompliziert.

Katja

 

What's up?: -.-

Tränen auf die Wasseroberfläche

geschrieben von ajtak | 18 Nov, 2008, 18:16

Wenn heisses Wasser den Körper umspült und alle flüchtigen Gedanken des Alltags wegwäscht, kommen in letzter Zeit dauernd die Gedankenspiralen zum Vorschein, die ansonsten tief im Inneren verborgen liegen. Und trotzdem sie fast immer Tränen im Gepäck haben, kann ich's einfach nicht lassen, in die heisse Badewanne einzutauchen. Ich hab mich häufiger gefragt, wieso ich das mache, wo ich doch fast schon einkalkulieren kann / muss, dass es mir hinterher schlecht geht und ich ja eigentlich (zum Glück) nicht (mehr) dazu neige, nach solchen Gedanken und Traurigkeit zu suchen und mir ist gerade zum ersten Mal aufgefallen, dass es scheinbar wirklich diese Situation braucht, um an die tiefsitzenden Gedanken und Gefühle ranzukommen, weil ich die weitestgehend im Alltag ausblende. Aber mir ist auch aufgegangen, dass sie gar nicht nur chaotisch und unsortiert sind wie ich dachte / es bisher den Anschein hatte, sondern sich mit jedem Mal, wo ich ihnen den Raum gebe, hochzuschwappen, klarer und greifbarer werden, sich deutlicher zeigt, was für Themen das überhaupt sind, die mich so verfolgen.

Drei bleiben - wenn die Wellen sich beruhigen und die Strudel weniger heftig strudeln - übrig. Das habe ich immerhin schon rausgefunden. Der Stein des Anstoßes, die Schatten der Vergangenheit und die Schatulle mit meinem fehlenden Puzzlestück. Und wenn ich etwas erst mal so konkret greifen kann, dass ich ihm sogar 'nen Namen geben kann, kann das Draufrumdenken und Entwirren doch auch nicht mehr so schwer sein. Hoffe ich. Zumindest.

Katja

What's up?: Round and round it goes...

I'm a legal alien

geschrieben von ajtak | 4 Nov, 2008, 02:14

Ich hab häufiger mal das Gefühl, nicht so richtig in diese seltsame Welt zu passen. In den letzten Tagen ist das wieder mal ein vorherrschender Gedanke, daher mein favorisierter Ohrwurm für die Stimmung:

Katja

du bist richtig so wie du bist

geschrieben von ajtak | 1 Nov, 2008, 04:08

Danke an den Menschen, der mir das heute in einem Moment gesagt hat, wo ich weit davon entfernt war, das so zu empfinden und wo die Worte mir ungeheuer gut getan haben!

Katja

What's up?: fallend

Es gibt Tage...

geschrieben von ajtak | 19 Okt, 2008, 23:33

...da sollte man bestimmte Worte konsequent aus seinem Wortschatz bannen. Heute ist so ein Tag. Eigentlich ist so ein Wort. Wobei man das ja bei genauerer Betrachtung eigentlich eh komplett aus seinem Wortschatz streichen sollte. Genauso wie hätte, wäre und wenn.

Trotzdem ist es an manchen Tagen noch doofer als an anderen, im Konjunktiv festzuhängen und zuviel drüber nachzudenken, was eigentlich hätte sein können...

Da sich das heute aber scheinbar nicht mit aller Stärke und Kraft wegdiskutieren lässt, keine Ablenkung wirklich hilft und ich mich vorhin dabei erwischt habe, wie ich mir selber einreden wollte, die Tränen, die ich beim Laufen an der Nordsee in den Augenwinkeln hatte, wären nur vom Wind gewesen, sollte ich mir endlich erlauben erlaube ich mir jetzt endlich, mit den Schultern zu zucken und die Traurigkeit für heute einfach hin- und anzunehmen.

Morgen wird besser als heute! Das ist eine Kampfansage! Und ich geh mir jetzt die Decke über'n Kopf ziehen und meine hängenden Schultern drauf vorbereiten, dass sie morgen wieder ein Stück weiter nach hinten gehören!

Nacht Welt!
Katja

 

Wider Erwarten...

geschrieben von ajtak | 11 Okt, 2008, 18:28

Da denkt man, man kennt sich mittlerweile recht gut und entdeckt plötzlich, dass man doch anders ist.

Der erwartete Fall ist nicht ausgeblieben, die Traurigkeit auch nicht. Aber der Fall ist längst nicht so bodenlos wie ich vermutet und die Traurigkeit längst nicht so fordernd und raumgreifend wie ich befürchtet hätte. Es geht mir gut (zumindest meistens), und das nicht weil es ja irgendwie weitergehen muss, sondern weil ich weiss, dass es weitergehen wird. Und zwar nach vorne. Herrje, kann mir mal jemand erklären, wie sich der Optimismus und die Zuversicht so dermaßen bei mir breit machen konnten? Genügt es vielleicht wirklich, wenn man sich einmal überwunden und dafür gekämpft hat, alle Zweifel und Bedenken über Bord zu werfen, darauf zu vertrauen, dass alles gut wird - dass von dieser Haltung selbst dann so viel übrig bleibt, wenn genau die Sache, auf die man vertraut hat, doch ganz anders verläuft?

Kann es sein, dass manche Gefühle / Einstellungen einfach nur angestoßen werden müssen und dadurch zum Selbstläufer werden?

Soviel Schönes und Gutes ist mit meinem Leben in den letzten Wochen passiert und obwohl ich gerade vor 'nem ganz schönen Scherbenhaufen stehe, ist ganz viel von der Kraft und Stärke, die ich in der Zeit gefunden habe noch da. Nicht so 'ne Ärmel-hochkrempel-und-los--was-kostet-die-Welt-Stärke, wie ich sie in den letzten Wochen gelegentlich gefühlt habe, aber doch ausreichend viel, um die Schultern zurückzunehmen, den Kopf anzuheben und immer noch zu wissen, in welcher Richtung vorne liegt. Genügend Stärke, dass sie alleine durch ihre trotzdem-immer-noch-Anwesenheit gut tut und mir Zuversicht gibt. Genügend Stärke, um mir die Traurigkeit zugestehen zu können und nicht beiseite schieben zu müssen, weil ich weiss, dass sie nur in Phasen auftritt und mein Leben nicht ersticken kann.

Dass sich in meinem Leben ganz gewaltig was ändert, hab ich in den letzten Wochen häufig gespürt, wider meiner Erwartung ist jedoch, dass jetzt immer noch soviel davon da und wirklich meins ist. Yay!

Katja

What's up?: nachdenklich

...

geschrieben von ajtak | 5 Okt, 2008, 21:31

Was die Liebe sagt

Es ist Unsinn, sagt die Vernunft.
Es ist was es ist, sagt die Liebe.

Es ist Unglück, sagt die Berechnung.
Es ist nichts als Schmerz, sagt die Angst.
Es ist aussichtslos, sagt die Einsicht.
Es ist was es ist, sagt die Liebe.

Es ist lächerlich, sagt der Stolz.
Es ist leichtsinnig, sagt die Vorsicht.
Es ist unmöglich, sagt die Erfahrung.
Es ist was es ist, sagt die Liebe.

(Erich Fried)

 

 

What's up?: es ist, was es ist...

Unsortierte Urlaubsgedanken *nachtrag*

geschrieben von ajtak | 18 Sep, 2008, 14:44

Es gab lange Jahre in meinem Leben, da wäre ein Morgen wie dieser - direkt nach dem Aufstehen am Strand spazieren zu gehen, den Wind im Gesicht zu spüren, das laute Rauschen der Wellen im Ohr und den Blick auf's Wasser und den fernen Horizont gerichtet - ein perfekter Morgen gewesen.

Heute ist das anders.

Das Meer, das ansonsten der Inbegriff meiner Sehnsucht war (zumindest dachte ich das), da es mir Ruhe und Freiheit gebracht hat, spült mit jeder Welle meine Sehnsucht zu Leben vor meine Füße, gräbt mit jedem Schwappen zurück ins Mee, ein Stück meiner Träume aus, die ich jahrelang sorgfältig wie Muscheln im Sand vergraben hatte, um nicht vor ihrer Unerreichbarkeit zu verzweifeln...

Katja (08.09.08)

What's up?: gerade juut

Abwärtsspiralen und innere Monster

geschrieben von ajtak | 14 Sep, 2008, 18:00

Es gibt Phasen in meinem Leben, wenn's mir nicht gut geht, da gewinnen die Monster in mir die Oberhand. Sie tragen so klangvolle Namen wie Unsicherheit, Zweifel, Angst und wenn sie mich erst mal in ihrer Gewalt haben, sorgen sie dafür, dass ich mich selber nicht leiden kann, obwohl ich mittlerweile meistens recht gut mit mir auskomme. *soifz*

In so Momenten / Phasen habe ich - noch mehr als sonst - ein Talent dafür, Dinge, meist die zwischen den Zeilen, übelstmöglich zu interpretieren. Also quasi, wenn es eine "gute" und eine "böse" Interpretationsmöglichkeit gibt, springt mich die absolut unterirdisch miese Möglichkeit an und behauptet krampfhaft die einzig mögliche zu sein. Ich weiss das, wenn ich hinterher klar darüber nachdenke und trotzdem sind das so Momente, wo ich, auch wenn ich es mir mit aller Kraft wünsche, nicht anders kann.

Das wirklich Schlimme daran ist, dass ich andere Menschen damit vor den Kopf stoße. Wenn ich das eklig und / oder langwierig genug hinbekomme ohne vorher aus meiner Abwärtsspirale wieder rauszukommen und es "schaffe", dass sich jemand von mir abwendet, gerate ich in Panik, klammere, stoße noch mehr vorn Kopf, bin noch unausstehlicher und fühle mich letztendlich dann darin bestätigt, dass einfach nichts Liebenswertes an mir ist. Hab ich ja schließlich lange genug in meiner Kindheit so gelernt. Nur wenn ich fehlerfrei funktioniere, ist die Welt in Ordnung und die Menschen in meiner Umgebung mir zugewandt. Mit Abstand und Klarheit ist es (relativ) einfach die Zusammenhänge im Jetzt und wieviel davon hausgemacht ist, zu begreifen - nicht jedoch in Momenten, wo ich in dieser Gedankenspirale festhänge. Und so habe ich ein Talent dafür, mich selber in mein Unglück reinzumanövrieren und es oft erst dann zu merken, wenn es zu spät ist. -.-

Ich bin unendlich dankbar für die wenigen Menschen in meinem Leben, die mich auch dann leiden können, wenn ich es selber mal wieder nicht kann. Die mir auch oder gerade dann zugewandt begegnen, mir deutlich "Stopp. Was du hier machst ist Murks." sagen. Und das wenn's sein muss mit unendlicher Geduld und Beharrlichkeit. Und die mir mit genau solcher Geduld und Beharrlichkeit die Hand hinhalten, mir auf die Pelle rücken statt sich zurückzuziehen, mir zu verstehen geben, dass sie mich auch in solchen Momenten mögen. Danke! Mit eurer Hilfe ist es sehr viel einfacher, nicht zu tief zu rutschen und das Gedankenchaos zumindest von einer anderen Seite aus betrachten zu können! Und auch mich selbst wieder leiden können, ist dann soviel einfacher! Danke, dass ihr meine inneren Monster aushaltet und an meiner Seite bleibt - auch wenn ihr sie nicht leiden könnt.

Irgendwann schaffe ich es auch, die Biester erst gar nicht die Kontrolle übernehmen zu lassen! Bewusst ohne Konjunktiv! Ich arbeite dran! Versprochen!

Katja

What's up?: wenn ich das mal wüsste...