Als ich noch ein Kind war, dachte ich, Glück sei etwas absolutes und statisches. Für mich war völlig logisch, dass man wie im Märchen bis an sein Lebensende im Glück leben könnte, wenn man diesen Gipfel erst einmal erklommen hätte. Zumindest sofern nicht irgendwelche Katastrophen etwas am Status Quo ändern würden.
Irgendwann ist mir aufgegangen, dass es das Glücklichsein überhaupt nicht gibt, sondern dass - zumindest für mich - Glück meist aus kleinen Dingen, Momenten, Eindrücken besteht, die ebenso schnell vergehen wie sie aufgetaucht sind und dass man vermutlich über sich selbst denkt, glücklich zu sein, wenn die eigene Wahrnehmung viele dieser Momente erfasst.
Noch später ist mir bewusst geworden, wie sehr mein Denken mein Fühlen beeinflusst. Und auch wie sehr meine subjektive Wahrnehmung von Glück davon abhängt, wie bewusst ich diese Momente in mich aufsauge.
Als ich anfing, meine Gedanken hier festzuhalten, habe ich mir irgendwann vorgenommen, hier nur möglichst positive Gedanken und Eindrücke zu sammeln. Für negativen Kram ist man ohnehin empfänglicher und da finde ich es alles andere als wichtig, mich hinterher dran erinnern zu können. Mit den positiven Eindrücken sieht es anders aus. Da finde ich es schon praktisch, mir gelegentlich vor Augen führen zu können, dass selbst Tiefpunkte ihre positiven Seiten hatten und auch, um mir zu merken, wie gut es mir gehen kann.
Gestern als ich die ersten echten (sprich: hier im Ort gewachsenen, nicht wässrigen, nicht importierten) Erdbeeren gewaschen habe und mir deren intensiver Geruch in die Nase stieg, wurde mir wieder mal bewusst, dass solche Momente pures Glück für mich bedeuten. Und da die leider so schnell vorbeigehen, habe ich beschlossen, hier einige davon zu sammeln. Für schlechte Zeiten. Wenn mir wieder mal nichts einfallen will, was das Leben lebenswert macht. Quasi so ein Eichhörnchenvorrat für den Winter.
Katja Erdbärprinzessin